Besuch der Bodenseewasserversorgung am 25.07.2015

Chillen am Bodensee. Foto: Anne Höpper
Chillen am Bodensee.

An einem sonnigen Samstag, morgens um 9 Uhr machten sich 17 abenteuerlustige mit 2 Bussle, guter Laune und jeder Menge Energie auf den Weg nach Sipplingen. Die 2 Stunden auf der Autobahn vergingen wie im Flug – der ein oder andere hat sie auch verschlafen – und so konnten wir uns bereits um kurz nach 11 Uhr ein wunderschönes Plätzchen für unser Picknick an der Strandpromenade suchen. Wir vesperten auf einem riesigen Lager unsere Brote, Würstchen und Fleischküchle und teilten unser Gemüse aus dem heimischen Garten mit der Melone aus dem heimischen Supermarkt und leckeren Keksen. Natürlich konnten wir es auch nicht lassen, zumindest mit den Füßen in das erfrischende Wasser zu stapfen. Der extreme Wind, der uns auch schon auf der Fahrt ein bisschen zu schaffen machte, hat zwar versucht unsere Picknickdecken zu klauen, aber wir waren stärker! Anders als manch andere, deren Luftmatratzen fröhlich an uns vorbei flogen. Aber wir wären keine JRKler, hätten wir sie nicht eingefangen.

Um 13 Uhr machten wir uns ein bisschen wehmütig auf den Weg zur Bodenseewasserversorgung (=BWV). Wir hätten auch den ganzen Tag auf unseren Picknickdecken entspannen können, aber wir waren ja nicht zum Spaß hier…

In der eineinhalbstündigen Führung erfuhren wir wo unser Trinkwasser zu Hause herkommt und wie es aufbereitet wird. Dieses Wissen möchten wir natürlich mit euch teilen:

Was ist die Bodenseewasserversorgung?

Die BWV ist ein Zweckverband, der von 13 Städten und Gemeinden im Jahr 1954 gegründet wurde. Damals – nach dem 2. Weltkrieg – war das Trinkwasser in weiten Teilen Baden-Württembergs sehr knapp. Zum einen weil zu viele Menschen in der Region lebten, zum anderen, weil das Wasser im Kalkstein der Schwäbischen Alb einfach versickerte. Mittlerweile gehören dem Zweckverband 181 Mitglieder (147 Kommunen und 34 Wasserversorgungszweckverbände) an, sodass ca. 4 Millionen Menschen täglich mit Trinkwasser versorgt werden. Die Mitglieder sind gleichzeitig Kunde und Eigentümer, was dafür sorgt, dass der Wasserpreis niedrig bleibt.

Wo kommt unser Trinkwasser her?

Viele Städte und Gemeinden in unserer Region sind Mitglieder der BWV, u.a. auch die Stadt Nürtingen. Das bedeutet, viele von uns bekommen Bodenseewasser, sobald sie den Wasserhahn in der heimischen Wohnung aufdrehen. Dieses Wasser wird im Seepumpwerk Süßenmühle in Sipplingen gewonnen. Im Bodensee in 60 Metern Tiefe strömt es über 3 Rohrleitungen nach oben. Von dort wird es mit Pumpen auf den 312m hoch gelegenen Sipplinger Berg befördert. Durchschnittlich sind es 4.100 Liter pro Sekunde. Maximal dürfen 9.000 Liter pro Sekunde gefördert werden. An der Wasseroberfläche ist dieses Gebiet mit Bojen geschützt und mit Videokameras überwacht. Die Einfahrt ist strengstens verboten und würde hohe Strafen nach sich ziehen.

Wie wird das Wasser aufbereitet?

Schon das reine Bodenseewasser ist so sauber, dass es in chemisch-physikalischer Hinsicht den Anforderungen der deutschen Trinkwasserverordnung und damit einer der weltweit strengsten Vorschriften entspricht. Deshalb müssen lediglich organische Bestandteile wie Algen, Kleinstlebewesen, Schweb- und Trübstoffe entfernt werden.

Vom Seepumpwerk aus „landet“ das Wasser im „Quelltopf“. Dort sprudelt es imposant nach oben, um sich sofort auf 12 Mikrosiebe zu verteilen. Hier werden alle Partikel, die größer sind als 15 Mikrometer (=1,5 hundertstel Millimeter) zurückgehalten. Danach wird es mit Ozon versetzt. Ozon ist ein äußerst wirkungsvolles Desinfektionsmittel, welches das Wasser von allen Keimen befreit und sich sogleich wieder zu normalem Sauerstoff zersetzt. In einem letzten Schritt fließt das Wasser über 27 Sandschnellfilter. In den verschiedenen Sandschichten werden jetzt die restlichen Trübstoffe abgefangen. Anschließend wird es geringfügig gechlort und somit vor Wiederverkeimung geschützt.

Model des Bodensees. Foto: Anne Höpper
Model des Bodensees.

Wie kommt das Wasser zu uns?

Von Sipplingen aus gibt es 2 Hauptleitungen gen Norden. Die 1. Hauptleitung ging 1958 in Betrieb und verteilt bis zu 3.300 Liter pro Sekunde entlang der Schwäbische Alb bis nach Ludwigsburg. Die 2. Hauptleitung transportiert seit 1971 zusätzlich bis zu 5.000 Liter Wasser pro Sekunde. Ohne Energieaufwand und durchgängig bergab fließt es durch den Albstollen bis nach Stuttgart. Von dort aus müssen Pumpen helfen, um es in den Odenwald und bis nach Bad Mergentheim zu transportieren. Von den Hauptleitungen aus gibt es natürlich jede Menge kleinere Leitungen, damit alle Mitglieder ihr Wasser bekommen. Insgesamt kommen so 1.700 km Leitungsrohre zusammen. Zudem gibt es 29 Hochbehälter, die über das gesamte Netz verteilt als Zwischenlager dienen. Zwei Schaltwarten in Sipplingen und Stuttgart regeln und überwachen Tag und Nacht den Weg des Wassers. Störungen werden somit sofort erkannt und umgehend durch Mitarbeiter behoben. Von Sipplingen bis Stuttgart braucht das Wasser übrigens ca. 24 Stunden. Bis nach Bad Mergentheim ist es ca. eine Woche unterwegs.

Natürlich haben wir noch viel mehr Infos bekommen. Die kann ich aber nicht alle aufschreiben. Wer Interesse hat mehr zu erfahren kann gerne eine Führung besuchen. Auf der Internetseite http://www.zvbwv.de findet ihr Infos wann diese stattfinden. Eine vorherige Anmeldung ist zwingend erforderlich.

Wir konnten es uns nach dieser äußerst informativen Führung natürlich nicht nehmen lassen, nochmal an den See zu fahren und den Ausblick bei einem Eis zu genießen, bevor wir wieder die 2-stündige Heimfahrt antreten mussten.

 

Übrigens:

  • Der Bodensee ist der größte Trinkwasserspeicher Europas
  • Bei der Entnahme hat das Wasser eine Temperatur von ca. 4,5°C
  • Über 200 Flüsse und Bäche speisen unermüdlich den Bodensee
  • Die BWV entnimmt ca. 1% der Menge, die dem See zufließt
  • Es verdunstet mehr Wasser als zur Trinkwassergewinnung entnommen wird
  • Ein Liter bestes Trinkwasser kostet ca. 0,2 Cent (= 0,002 Euro)

 

Stefanie Arnold

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