Sozialpraktikum beim DRK

DRK Kleiderkammer. Foto: Ines Baur
DRK Kleiderkammer.

Ich habe mich beim Deutschen Roten Kreuz beworben, weil ich dachte, dass das DRK nur Rettungs- und Notfalldienst macht. Nachdem ich meinen Wochenplan bekam, sah ich, dass ich auch in anderen Bereichen helfen sollte, wie beim Nürtinger Tafelladen.

Mein erster Praktikumstag begann mit einer Rundführung von meiner Ansprechpartnerin Ines Baur, durch die Gebäude, sowie die Bekanntmachung mit Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuz. Das Gelände besteht aus mehreren, teilweise alten Gebäuden. Davon ist die neue Rettungswache derzeit im Bau. Zudem wurde mir erklärt, was das DRK für Projekte am Laufen hat und plant. Darunter Spenden sammeln auf verschiedenste Art und Weise, die Projekte des Jugendrotkreuzes, wie Zeltlager und wöchentliche Gruppenstunden, Schuldnerberatung, sowie vieles mehr. Schade war, dass die Ausrüstung und Fahrzeuge des Katastrophenschutzes in dessen neue Zentrale nach Owen verlegt wurden und ich mir diese nicht anschauen konnte.

Um 10.00 Uhr begann meine Schicht bei Essen auf Rädern. Ich schaute mir zusammen mit einem Mitarbeiter den Service an, der angeboten wird. Essen auf Rädern fährt jeden Tag von 10.00 bis ca. 13.30 Uhr Essen zu Privathaushalten in den umliegenden Ortschaften aus. Dabei können sich die Kunden ihr Essen wöchentlich oder monatlich bestellen und auch selbst entscheiden, was sie essen möchten. Dabei macht Essen auf Rädern keinen Gewinn, wenn überhaupt können nur die Kosten gedeckt werden, trotz der meiner Meinung nach nicht so günstigen Preisen.

Anschließend wärmten wir das am Anfang der Woche angelieferte tiefgekühlte Essen auf und verpackten es in Styroporboxen und fuhren es aus. Zusammen mit Isabell war ich ungefähr 3 Stunden Unterwegs. Manchmal mussten wir das Essen den Kunden, die vorwiegend Rentner waren, bei ihnen im Haus auf Tellern servieren und sie auch auffordern zu essen, denn ein paar waren dement und vergasen zu essen. Was mich überraschte hat war, wie gut sich Fahrer und die alten Leute kannten. Teilweise unterhielten wir uns mit ihnen und viele meinten, dass das Mittagessen für sie das „Highlight" des Tages wäre. Sie haben sonst niemanden, mit dem sie sprechen können. Das machte mich traurig zu wissen, dass es Menschen gibt, die wirklich niemanden haben und ganz alleine leben müssen für den Rest ihres Lebens. Um so größer war ihre Freude auf das Mittagessen und ich durfte es ihnen bringen und sie glücklich machen. Wir mir vorher gesagt wurde: „die Menschlichkeit ist hier viel wichtiger als das Geld und der Gewinn", was ich nur bestätigen kann. Nach dem wir alles ausgefahren hatten hieß es für mich Pause.

DRK Kleiderkammer. Foto: Ines Baur
DRK Kleiderkammer.

Ab 14:00 Uhr ging es dann weiter mit Kindertransport. Dazu holte ich mit einem von vielen Fahrern Schüler aus allen Altersgruppen von der Bodelschwinghschule ab. Wie gut sich Fahrer und Schüler kannten hat mich überrascht, denn ich dachte, dass es wie bei uns „nur" der Busfahrer sei. Am späten Nachmittag war der Tag für mich zu Ende.

Am nächsten Tag war Erste Hilfe im Kindergarten mit dem Jugendrotkreuz angesagt. Da wir schon sehr früh starten mussten, durfte ich schon mittags nach Hause.

Der dritte Tag war wieder etwas länger. Zunächst half ich in der Kleiderkammer bis 12.00 Uhr. Sie befindet sich im Dachgeschoss auf relativ kleinem Raum. Ich hab mir alles ein wenig größer vorgestellt. Anfangs muss alles sortiert und aufgestellt werden, allerdings wurde es später sehr eintönig. Denn nachdem die Kleiderkammer geöffnet  hatte gab es nicht mehr viel zu tun, außer die Kleidungsstücke, die herunter gefallen sind, wieder aufzuhängen. Es waren Menschen aus allen Ländern und Altersgruppen zum Einkaufen gekommen, hauptsächlich Frauen. Sie konnten teilweise kein oder nur sehr wenig Deutsch oder Englisch, weswegen ein Gespräch mit ihnen fast unmöglich war. Jedoch kamen auch ein oder zwei Frauen, die nicht den Anschein hatten es nötig zu haben dort einzukaufen, mit IPhone und teurer Lederjacke.

Nachmittags wurde es für mich sehr interessant, Hausnotruf. Hausnotruf ist ein Service des Deutschen Roten Kreuzes für hauptsächlich ältere Leute, die Angst haben zu Hause hinzufallen und keine Hilfe holen zu können. Der Notrufknopf wird am Arm getragen und bei Aktivierung wird man an Call-us geleitet, welches entsprechende Hilfe organisiert. Zusammen mit einem Mitarbeiter, der mir alles erklärt und gezeigt hat, fuhr ich zu Kunden, bei denen entweder ein neues Gerät installiert oder ein Update benötig wurde.

Ich empfand die Preise als sehr hoch von ca. 45 € pro Monat. Die Kunden aber meinen, dass es ein sehr angemessener Preis ist. Sie sagen, es sei ein sehr gutes und lohnenswertes Angebot. Teilweise fühlen sie sich viel sicherer in ihrem eigenen Haus. Mit der mobilen Version bewegen sich manche viel mehr draußen. Sie gehen mehr spazieren oder Fahrrad fahren.

Essen auf Rädern. Foto: Ines Baur
Essen auf Rädern.

Am letzten Tag stand der Nürtinger Tafelladen auf dem Programm. Ich kam dort an und wurde gleich freundlich empfangen. Zunächst mussten die Lebensmittel, die per Auto dreimal am Tag geliefert werden, durchgecheckt und aussortiert werden. Es gab ziemlich viel, besonders an Gebäck. Jedoch kaum Kartoffeln und Zwiebeln, was mich verwundert hat. Aber diese gäbe es kaum, sagte eine Mitarbeiterin, denn sie würden sich zu lange halten. Um 9.00 Uhr öffnete dann der Laden, nachdem alles in die Regale eingeräumt war. Die Leute standen schon Schlange vor der Tür und warteten teilweise länger als 20 Minuten.

Ich war zusammen mit einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin an einer der zwei Ausgaben für Obst und Gemüse. Das System ist einfach. Die Preise werden auf einen kleinen Zettel mit Datum geschrieben, der dann an der Kasse vorgezeigt werden muss. So gut wie alle Produkte kosteten unter einem Euro. Sehr Interessant war, was die Leute kauften. Manche sahen aus wie aus Afrika und sie kauften Bananen. Andere aus dem Norden wiederum kauften Kohl und Spargel. Sehr viele Menschen kamen und man merkte, wie wenig sie haben. Wir konnten beispielsweise nur drei Bananen pro Person verkaufen, da sonst schon nach kurzer Zeit alles weg wäre, obwohl manche schon fast bettelten. Bei Müttern mit vielen Kindern gab es auch nicht mehr. Das machte mich stutzig. So viele Menschen, die nicht einmal das Geld haben alles im Supermarkt zu kaufen.

Nach ungefähr 3 Stunden musste geputzt und die übrigen Lebensmittel in den Keller getragen werden. Allgemein war es ein anstrengender Tag, weil es der einzige und letzte Tag war, an dem ich wirklich anpacken musste.

Das Sozialpraktikum war und bleibt eine große Erfahrung für mich. Ich habe selber nicht wirklich gearbeitet, aber es war trotzdem eine schöne, abwechslungsreiche und eindrucksvolle Woche. Obwohl ich nur einen kleinen Teil des Deutschen Roten Kreuzes gesehen habe, war ich schon beeindruckt, was so alles auf die Beine gestellt wird. Umso trauriger macht es mich zu wissen, dass es immer weniger Ehrenamtliche gibt, die sich bereiterklären zu helfen. Ob ich allerdings diesen Berufsweg einschlagen werde, steht noch in den Sternen. Es ist ein schöner Beruf, aber eher nichts für mich. Aber mich ein bisschen einzubringen und mich zu engagieren kann ich mir sehr gut vorstellen. Es braucht so viele helfende Hände, was ich gerne unterstütze. Ich würde das DRK weiter empfehlen als Praktikumsstelle.

Jens Lenke

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