„Kritischer Konsum“

Unser Ökologischer Fußabdruck. Foto: Ines Baur
Unser Ökologischer Fußabdruck

Was ist „kritischer Konsum“, was steckt alles in dem Wort „Konsum“ und was bedeutet es für jeden einzelnen und für die globale Welt? Zu diesen und anderen Fragen fand am Dienstagabend 8.4.2014 in Nürtingen die gleichnamigeVeranstaltung statt.

Die Referentin Nanine Roth, die sich für Eine-Welt-Läden, Workcamps und als Bildungsreferentin zu Konsum und Nachhaltigkeit stark macht, konnte den Anwesenden in zwei Stunden einen unglaublich erschreckenden Einblick dazu geben. Wir tauchten in die Unterschiede der Welten ein – z.B. am Tagesablauf eines 12jährigen Jungen in Deutschland und einem gleichaltrigen an der Elfenbeinküste. Dieser muss sich nicht über Hausaufgaben und Zimmer aufräumen ärgern, weil er mehr als 12 Stunden am Tag auf den Baumwollplantagen, zwischen Pestiziden und anderen Chemikalien, den Rohstoff erntet, den wir mit Textilien jeder Art konsumieren.

Konsum ist nicht nur gleich shoppen. Konsumieren bedeutet „gebrauchen“, d.h. der Konsum beinhaltet das Kaufen, das Benutzen und die Entsorgung dieses Gutes. Am Beispiel von Bevölkerungszahlen oder dem Ölverbrauch eines Landes wurde anhand von Landkarten deutlich, wie unterschiedlich es auf der Welt aussieht. Die Länderflächen verringerten oder vergrößerten sich dank PC-Simulation je nach Menge. Am auffälligsten war die Bevölkerungsmasse in China, Indien; während Amerika, Teile Afrikas und Russland enorm schrumpften. Im Vergleich zum Ölverbrauch wurde klar ersichtlich, dass Japan, Nordamerika, Europa und Russland um teilweise über das doppelte ihrer Größe anwuchsen.

Durch interaktive Spiele und Versuche lernten wir noch weit mehr über die mehr oder minder bekannten und doch so wesentlichen Auslöser und Probleme des Konsums kennen. Beispielsweise wurden anhand von Schrittzahlen die Unterschiede der Reichweite mit dem Verbrauch von 1kg CO2 zwischen Auto, Zug, Bus und Flugzeug im Raum demonstriert. Das Auto kommt 3 Schritte weit, der Zug 24, der Bus 11 und das Flugzeug lediglich 1 Schritt vorwärts. Und so war ganz schnell klar, dass die maximale zu verursachende Menge an CO2 pro Person im Jahr von 2,5 Tonnen (damit es keine weitere Erderwärmung gäbe) mit 11 Tonnen aktuell überaus schockierend ist.

An zwei praktischen Gebrauchsgütern wurden die ungerechten Verhältnisse aufgezeigt: Textilien und Schokolade, von notwendiger Anschaffung bis Luxusverbrauch. Welchen Weg legt eine Jeans zurück? Mit Landkarte, Wollknäuel und verschiedenen Kärtchen (jeder nahm eine Figur in diesem Ablauf ein) wurde für jeden sichtbar, dass von der Kinderarbeit geprägten Baumwollernte, über Veredelung, zum Färben, Nähen und Verarbeiten schon ein Großteil des Eurasischen Kontinents überflogen wird. Weitere Arbeitsmaterialien und -Schritte bis zur Verkäuferin und letztendlich zu jedem einzelnen in den heimischen Kleiderschrank ergab ein großes Wirrwarr mit dem Wollknäuel über der Landkarte. Denn „Made in“ bedeutet lediglich, dass in diesem Land ein einziger Produktionsschritt vollzogen wurde.

Ökosiegel. Foto: Ines Baur
Ökosiegel

Sowohl vom Baumwollfeld bis zur Jeans im Kleiderschrank, wie auch bei der Kakaobohne bis zur Schokoladentafel in unserer Hand, ist es eine lange Reise und die Vergütung ist definitiv keine win-win-Situation. Von 24 Rippchen Schokolade einer gängigen 100 Gramm Tafel gehen 3 Stückchen an den Staat durch Steuern, 8 Stückchen bekommt der Supermarkt, noch mal 8 fallen auf die Schokoladenfabrik ab, 4 Rippchen erhält der Spediteur und das letzte verbleibende Stückchen müssen sich die Kakaobauern und -Ernter teilen.

Um diesem Ungleichgewicht entgegen zu wirken und seinen Beitrag zum nachhaltigen Dreieck aus Ökonomie, Umwelt und Sozialem zu verbessern, sollte man beim Kauf auf die Siegel „utz“, „fairtrade“ und „Gepa“ achten. Auch diese fair gehandelten und kontrollierten Schokoladen sind teilweise schon für 70 Cent bis 1,50 Euro zu kaufen.

Bei Kleidungsstücken stehen die Siegel „fairtrade“ (betrifft den Anbau) und GOTS = Global Organic Textil Standard (betrifft die Verarbeitung) für eine ökonomische Herstellung und den nachhaltigeren Konsum.

Fragen wie `Stell ich mich durch das Gut dar?´, `Wann ist Besitz Belastung?´, `Wann bin ich glücklich?´ und `Brauch ich das wirklich?´ sollten uns zu „kritischem Konsum“ bewegen und mit diesem Hintergrundwissen auch darin bestärken, dass jeder an seinem „globalen Fußabdruck“ arbeitet.

Und zum Abschluss der Informationsveranstaltung sollte noch jeder Anwesende mit seinem Smartphone eine Nachricht an einen Nichtanwesenden senden, mit Änderungen oder Vorhaben die er bezüglich seines Konsumverhaltens leben möchte.

Möchte man also nachhaltig shoppen gehen, dann kaufe in einem Second-Hand-Laden oder auf Online-Second-Hand-Shops (à kleiderkreise.de), nähe mir aus alten Klamotten neue, Frage bei dem Kaufhaus nach Fairer Kleidung (à H&M und C&A haben immer mehr Bio-Baumwoll-Produkte), oder gehe in speziellen GOTS-Läden einkaufen (à in Stuttgart: „Ottilie“, gehobene Frauenkleidung, „Glore“, in der Eberhardstraße 10), oder kaufe bei fairen Marken wie „Armedangels“ oder „Greenality“.

Und weitere Infos zu fairem Shopping, Shops, etc. im Internet unter www.avocadostore.de.

Noch ein paar Zahlen:

  • 10 kg Schokolade werden in Deutschland pro Kopf konsumiert.
  • 40 Kleiderstücke (14 kg) kauft ein Deutscher im Durchschnitt pro Jahr. Das sind mit allen anderen Baumwollprodukten z.B. Bettwäsche etc. 26 kg Textilien pro Jahr pro Kopf. Damit ist Deutschland auf Platz 1 und der globale Durchschnitt liegt bei 1/3 (8 kg).
  • Der Produktionsweg einer einzigen Jeans beläuft sich auf die Strecke die der Länge des Äquators entspricht (einmal um die Erde).
  • Für 1 kg Baumwolle werden 6 kg Chemikalien verwendet.
  • Erst nach dem 10. Waschen ist ein Kleidungsstück chemikalienfrei.

 

Martina Baumgärtner

 
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